13.11.2002
Baschkirische Delegation besucht Flugzeugabsturzstelle
Einladung von Helfern nach Baschkirien




Überlingen - Der stellvertretende Ministerpräsident Baschkiriens, Ramil Mirsaew, hat am Mittwoch Baden-Württemberg besucht, um den Helfern der Flugzeugkatastrophe vom 1. Juli am Bodensee zu danken. An einer der Absturzstellen der russischen Tupolew bei Überlingen (Bodenseekreis) legten Mirsaew und seine Delegation einen Kranz und rote Rosen zum Gedenken an die Toten nieder. Bei der Kollision der russischen Maschine mit einer Fracht-Boeing in 11.000 Meter Höhe waren 71 Menschen ums Leben gekommen. 69 starben in der Tupolew. Die Mehrzahl von ihnen waren Schulkinder aus Ufa, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik.

An dem schlichten Holzkreuz in Brachenreute, das nach der Katastrophe errichtet wurde, überreichte Überlingens Oberbürgermeister Volkmar Weber einen Korb mit Getreide-Säckchen als "Zeichen der Freundschaft mit den Angehörigen der Opfer". Er knüpfte damit daran an, dass die Hinterbliebenen bei ihrem kurzen Besuch am Bodensee am 4. Juli Ähren von den Feldern zur Erinnerung an ihre toten Kinder mitgenommen hatten.

Mirsaew bekundete seine tief empfundene Dankbarkeit für die "unschätzbare Hilfe", welche die Einwohner Überlingens und der Nachbargemeinde Owingen sowie die Rettungskräfte nach dem Absturz geleistet haben. Trümmer beider Flugzeuge waren am nord-westlichen Bodenseeufer in einem kilometerlangen Korridor niedergegangen. Erst nach sechs Tagen waren alle Leichen geborgen worden. "Wahre Freunde erkennt man in der Not", betonte Mirsaew.

Als weiteres Zeichen des Dankes hat Baschkirien eine Gruppe von 110 Helfern im Januar nach Ufa eingeladen. Der baden-württembergische Verkehrsminister Ulrich Müller, der die Gäste am Morgen auf dem Flughafen in Friedrichshafen empfangen hatte, bezeichnete die Einladung als "ein großherziges und verbindendes Zeichen".

Die baschkirische Delegation will ihren Besuch auch dazu nutzen, um mit der deutschen Seite über eine gemeinsame Stätte des Erinnerns zu sprechen, die in Überlingen entstehen soll. "Das Denkmal muss den Opfern und den Empfindungen der Angehörigen Rechnung tragen und in die Landschaft passen", meinte Müller.

Bei einem abschließenden Empfang der Landesregierung in Stuttgart sagte Innenminister Thomas Schäuble: "Niemand wird den 1. Juli vergessen. Solange ich lebe, werde auch ich immer daran denken." Die Helfer am Bodensee hätten "Übermenschliches geleistet". Sie seien zu "wahren Botschaftern unseres Landes" geworden.

Quelle: dpa/lsw