"Einsatz bis an die Leistungsgrenze und darüber hinaus"

1.600 ehrenamtliche Einsatzstunden bei Flugunfall

Die Nacht vom 01. auf den 02. Juli 2002 wird als der mit Abstand schwerste Einsatz in die fast 150-jährige Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr eingehen. Eine positive erste Bilanz zog heute Stadtbrandmeister Andreas Löhle über den Einsatz der Feuerwehr.

„Es war tief beeindruckend, wie viel jeder Feuerwehrmann bis an seine Leistungsgrenze und teilweise auch darüber hinaus gearbeitet hat“. Kommandant Löhle führt dies in erster Linie auf den hohen Motivations- und Ausbildungsstand seiner Mannschaften zurück. Bei diesem Einsatz habe sich, so Löhle weiter, „einmal mehr gezeigt, dass die Feuerwehr nicht ein einziges Stück Ausrüstung oder gar ein Fahrzeug zuviel hat“.

Bis zur Stunde leisteten alleine die Überlinger Feuerwehrleute bei diesem Unglück rund 1.600 ehrenamtliche Stunden Einsatzdienst.

Die Feuerwehr hatte seit dem ersten Alarm gegen 23 Uhr 45 am vergangenen Montag rund zwei Dutzend Einsätze unterschiedlichster Art zu meistern. Neben den ersten Lösch- und Sucheinsätzen unmittelbar nach dem Absturz der beiden Flugzeuge, mussten zahlreiche technische Hilfeleistungen, ein größerer Gefahrguteinsatz sowie die Unterstützung der Polizei- und THW-Kräfte bei der besonders belastenden Bergung der Leichen aus der Passagiermaschine bewältigt werden.

So mussten beispielsweise die Experten des Gefahrgutzuges am Dienstagmittag rund 3.500 Liter Flugbenzin aus einer in einem Feld bei Aufkirch brennend niedergegangenen Tragfläche abpumpen. Allein bei diesem Einsatz wurden an die 130 Arbeitsstunden geleistet. Als die Helfer danach in das Feuerwehrhaus eingerückt waren, hatten die meisten einen 36-Stunden-Tag hinter sich gebracht.

Besonders belastend für die Einsatzkräfte war der gestern von Polizei, Technischem Hilfswerk und Freiwilliger Feuerwehr gemeinsam erfolgte Bergungseinsatz an dem nahe Brachenreute niedergegangenen Wrackstück, in dem sich eine Vielzahl verstümmelter Leichen befand. Über 10 Stunden hinweg bot sich den Helfern hierbei ein Bild des Grauens. Um diese Situation zu bewältigen, stand den Einsatzkräften ein ebenfalls ehrenamtlicher und erfahrener Feuerwehr-Seelsorger, der im Hauptberuf katholischer Pfarrer in Sigmaringen ist, während des Einsatzes zur Verfügung. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte auf der Überlinger Feuerwache, in der auch das Kriseninterventionsteam seine Zentrale eingerichtet hat, ein psychologisches Abschlussgespräch. Der Feuerwehr-Seelsorger steht den Einsatzkräften bei Bedarf auch in der Zukunft rund um die Uhr zur Verfügung.

Innenminister Thomas Schäuble, der sich gestern selbst ein Bild von der Lage machte, sprach insbesondere auch den ehrenamtlichen Feuerwehrkräften namens des Landes Baden-Württemberg Dank und Anerkennung aus. Besonders lobte er die Kooperation der Helfer vor Ort: „Die professionelle Zusammenarbeit dieser spezialisierten Einheiten hat wesentlich zur Bewältigung des schrecklichen Unglücks beigetragen. Allen Beteiligten gilt hohe Anerkennung", so Schäuble.

gez.: Christian Gorber, HLM
Presse- und Medienarbeit