Zahl der Einsätze "sehr, sehr hoch"

Stadtbrandmeister Löhle bilanzierte in der Hauptversammlung der Feuerwehr das Jahr der Flugzeugkatastrophe

Datum:     

14.03.2003

Überlingen (mba) Der "spektakulärste Einsatz, den die Freiwillige Feuerwehr Überlingen je hatte", so Stadtbrandmeister Andreas Löhle, musste in der ersten Hauptversammlung der Wehr (wir berichteten bereits) nach der Flugzeugkatastrophe vom 1. Juli 2002 zwangsläufig eine wichtige Rolle spielen. "Brandtechnisch" seien die Folgen des Zusammenstoßes der Tupolew und der Boeing "lösbar" gewesen, sagte Löhle. "Aber die Tage danach forderten die Feuerwehr aufs Höchste, insbesondere was das Psychische angeht." Auf die Bergung der 71 Leichen ging auch Bürgermeister Ulrich Lutz ein: "Bei diesem Einsatz haben Sie Übermenschliches geleistet, ertragen und getragen."

Lutz lobte, durch ihre ausgezeichnete Arbeit hätte gerade die Feuerwehr dazu beigetragen, nach der Katastrophe das "Ansehen der Stadt national und international zu fördern". Und er erzählte von Ilona Rothin, die derzeit für die ARD eine Dokumentation über den Absturz dreht. Die Journalistin, die bereits über den Concorde-Absturz, die Ögertours-Katastrophe und den Swissair-Absturz vor der nordamerikanischen Küste berichtete, habe ihm gesagt, es hätte sie nach Überlingen auch deshalb getrieben, weil sie während ihrer Recherchen ein so positives Bild von der Stadt und ihren Menschen bekommen habe. Sendetermin für den Film ist der 30. Juni, also der Vorabend des Jahrestages der Katastrophe.

Besonderes Lob gab es von Lutz für Feuerwehr-Schriftführer Christian Gorber, der bei der aus dem Kursaal weltweit verbreiteten Trauerfeier namens der Hilfsmannschaften eine Trauerrede gehalten hatte und das "in ganz hervorragender Weise" gemacht habe. "Wer das im Fernsehen verfolgt hat, war beeindruckt." Dank auch an den stellvertretenden Gesamtkommandanten Egon Bäurer, der als ranghöchster Vertreter der Stadt der Dankes-Einladung nach Baschkirien gefolgt war, die russische Teilrepublik hatte die meisten Opfer zu beklagen.

Doch auch die anderen Einsätze banden die Feuerwehr 2002 besonders intensiv, führte Löhle in seinem Jahresbericht aus. Und das im Vergleich zu den vergangenen acht Jahren, in denen der Durchschnitt 265 Alarme betrug, wie auch und vor allem verglichen mit anderen Städten. Denn die Zahl von über 300 Einsätzen sei "sehr, sehr hoch" für eine Kommune mit rund 20000 Einwohnern. Laut Stadtbrandmeister sei für wesentlich größere Städte mit 50000 bis 60000 Einwohnern ein Durchschnitt von lediglich 150 bis 200 Einsätzen "keine Seltenheit". Zwei Hauptursachen macht Löhle dafür aus: "Wenn im Sommer die Straßen und Hotels voll sind, haben wir auch über 50000 Einwohner, dazu kommen noch die Pendler."

Die prozentuale Verteilung der Brandeinsätze (35 Alarme) zu denen der "technischen Hilfeleistung" (155) blieb konstant, resümierte Löhle. Je dreimal mussten Ölwehr und Gefahrengutzug ausrücken. Dabei schrieb sich eine schon seit Jahren zu beobachtende Entwicklung weiter fort: Waren früher vor allem Brände "zeitkritische Einsätze", geht es immer mehr auch in den Bereichen Umweltschutz und technische Hilfeleistung um Sekunden. Gestiegen ist auch die Zahl der "Fehl- und Täuschungslarme" (35), wobei Löhle dies inbesondere mit der großen Zahl von nunmehr über 50 aufgeschalteten Brandmeldeanlagen in Zusammenhang brachte.

Zur Bewältigung ihrer Aufgaben betreibt die Feuerwehr "unvermindert hohe Anstrengungen" der Aus- und Fortbildung, beschrieb Löhle. Rund 60 Wehrmänner besuchten 2002 Seminare auf Kreisebene und an der Landesfeuerwehrschule. Vor allem aber hielt die Überlinger Feuerwehr selbst "auf Standortebene" weit über 300 Übungseinheiten ab. Das summiert sich auf rund 25000 Stunden, rechnete Löhle vor, die freiwillig geleistet wurden, um die "gesetzliche Pflichttätigkeit der Feuerwehr und somit der Gemeinde zum Schutz der Bürger" sicherzustellen. Multipliziert mit dem in der städtischen Entschädigungssatzung ausgewiesenen Betrag von neun Euro kam Löhle auf 225000 Euro. "Wäre dieser ideelle Betrag als Bilanzfaktor ansetzbar, würde sich die Einnahmenseite in Verwaltungshaushalt der Feuerwehr mehr als verdoppeln und sich der Deckungsgrad des Gesamthaushaltes merklich erhöhen."

Die Aus- und Weiterbildung wird künftig auch für die Beförderung der Wehrmänner relevant sein. Der baden-württembergische Städte- und Gemeindetag erließ neue Richtlinien, die nicht nur, wie bisher, die geleisteten Dienstjahre, sondern auch die absolvierten Kurse berücksichtigen. Demzufolge steht bei der Überlinger Wehr eine wahre Beförderungslawine an. Doch es hätte laut Löhle die Rahmen der Hauptversammlung gesprengt, den gut betroffenen 200 Kameraden hier die neuen Rangabzeichen zu überreichen. Das soll deshalb in den nächsten Monaten "immer bei feierlichen Anlässen Zug um Zug" geschehen.

Quelle: Sükurier Konstanz vom 19.03.2003
Download: Jahresbericht 2002 (ca. 5 MB gross als Zip)